Grafik über Verkehrstote in NRW

Autofahrer in NRW passen ihre Geschwindigkeit an

Innenminister Jäger: Kontrollen zeigen Wirkung - Die wenigsten Unfälle seit 60 Jahren

Die Zahl der Verkehrstoten ist in NRW im Jahr 2013 um mehr als neun Prozent gesunken. 479 Menschen kamen auf den Straßen Nordrhein-Westfalens ums Leben, das sind 49 weniger als im Jahr davor. Im Vergleich zum Jahr 2012 waren es sogar 155  Verkehrstote weniger. Noch nie seit Einführung der Statistik im Jahr 1953 sind damit in Nordrhein-Westfalen weniger Menschen bei Verkehrsunfällen gestorben. „Das zeigt, dass immer mehr Verkehrsteilnehmer verstanden haben, wie gefährlich zu schnelles Fahren ist. Viele passen ihre Geschwindigkeit inzwischen an“, erklärte Innenminister Ralf Jäger heute (17.2.) in Düsseldorf. „Wir sind mit unserer Strategie umfassender Kontrollen auf dem richtigen Weg. Doch am Ziel sind wir noch nicht.“

Das Ignorieren von Geschwindigkeitsbeschränkungen führt auf den Straßen in NRW weiterhin zu häufig zu Unfällen. 150 Menschen starben durch die Unfallursache zu schnelles Fahren. Das sind neun weniger als im Vorjahr. „Immer noch ist fast jeder dritte Verkehrstote Opfer von zu hoher Geschwindigkeit“, machte Jäger deutlich. „Deshalb setzen wir unsere Strategie mit konsequenten Geschwindigkeitskontrollen von Polizei und Kommunen fort.“ Im vergangenen Jahr hat alleine die Polizei in NRW mehr als zwei Millionen Autofahrer gemessen, die zu schnell unterwegs waren. 

Die Zahl der Schwerverletzten sank um 569 auf 12.109 (- 5 Prozent). Insgesamt verunglückten 72.538 Menschen, das sind 3,8 Prozent weniger als im Jahr davor. „Hinter den nüchternen Zahlen verbergen sich oft lebenslange Behinderungen und schwerste körperliche Einschränkungen. Das ist Grund genug, uns nicht auf dem Erreichten auszuruhen“, hob Jäger hervor. In Deutschland leben fast 39.000 Menschen, die nach einem Verkehrsunfall schwerbehindert sind. 2013 ereigneten sich insgesamt 569.050 Verkehrsunfälle, ein Minus von 1,3 Prozent.

Sorge bereitet dem Innenminister, dass 2013 mehr Fußgänger im Straßenverkehr getötet wurden. 109 Tote entsprechen einem Anstieg um fünf Prozent. Die Analyse zeigt, dass 60 dieser getöteten Fußgänger den Unfall selber verschuldet haben. Das ist mehr als die Hälfte. „Deswegen wird die Polizei auch weiterhin Verstöße von Fußgängern konsequent ahnden“, betonte Jäger. „Das bedeutet aber auch, dass bei fast jedem zweiten Unfall der Autofahrer Schuld hat. Das sollte jedem klar sein, der sich hinter das Lenkrad setzt und die Verkehrsregeln missachtet. Er gefährdet Fußgänger und Radfahrer. Also diejenigen, die am wenigstens geschützt am Straßenverkehr teilnehmen. Sie haben keinen Sicherheitsgurt, keinen Airbag und keine Knautschzone.“

Im vergangenen Jahr hat sich die NRW-Polizei auch besonders intensiv um Radfahrer gekümmert. Zu schnelle und rücksichtslose Autofahrer, aber auch eigenes Fehlverhalten führen häufig zu schweren Radunfällen. „Hier haben wir konsequent gegengesteuert. Die Polizeibehörden haben örtlich zugeschnittene Konzepte aus Aufklärung und Kontrolle entwickelt“, erläuterte der Innenminister. Im Vergleich zum Vorjahr starben mit 56 Radfahrern rund 31 Prozent weniger.  

Noch nie seit dem Beginn der Auswertung von Daten vor 44 Jahren hat es weniger Verkehrstote und Verletzte bei den 18- bis 24-Jährigen gegeben. Die Zahl der Getöteten ging hier um 25 Prozent auf 68 zurück. „Über diese Entwicklung bin ich besonders froh“, sagte Ralf Jäger. „Denn jahrelang waren junge Erwachsene in überdurchschnittlich viele schwere Verkehrsunfälle verwickelt. Das hat sich deutlich gebessert.“ 

Ein wesentlicher Baustein der Unfallprävention für junge Menschen ist das bundesweit einzigartige Programm „Crash Kurs NRW“. Im Jahr 2013 haben über 158.000 Schülerinnen und Schüler an einer der landesweit über 560 „Crash Kurs“-Veranstaltungen teilgenommen. „Seit dem Start dieses Programms haben wir damit bereits mehr als 300.000 Schüler erreicht“, sagte Jäger. Das Besondere an „Crash Kurs NRW“: Hier werden Jugendliche emotional angesprochen. Ihnen wird drastisch vor Augen geführt, dass sie Verantwortung tragen, wenn sie sich im Straßenverkehr bewegen. „Wir machen ihnen deutlich, dass dies nicht nur für die Fahrer gilt, sondern auch für diejenigen, die sich mit ins Auto setzen“, machte Jäger deutlich. Die Essener Polizei hat kürzlich sogar einen „Crash Kurs“ für Gehörlose aus ganz Deutschland gestartet. Mit Hilfe von Gebärdendolmetschern sensibilisierten Polizisten, Notärzte, Rettungssanitäter, Notfallseelsorger und Angehörige von Unfallopfern für die Gefahren des Straßenverkehrs. Ralf Jäger: „Unser Ziel ist, dass jede Schülerin und jeder Schüler einen „Crash Kurs“ mitmacht.“  

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