Inhalt
Kriminalstatistik 2009
Statement von Polizeipräsident Herbert Schenkelberg anlässlich der Pressekonferenz
zur Vorstellung der Kriminalitätsstatistik 2009 am 03.03.2010
Anrede
Ich möchte diese Pressekonferenz nutzen, um an dieser Stelle meinen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern meinen ausdrücklichen Dank und meine Anerkennung für ihre Leistung und Einsatzbereitschaft im vergangenen Jahr auszusprechen.
Das Jahr 2009 war insgesamt für das Polizeipräsidium Düsseldorf nicht einfach. Wir haben insgesamt über 290.000 Einsätze, 473 Demonstrationslagen und zahlreiche, besondere Einsatzlagen auch außerhalb unseres Stadtgebietes zu bewältigen gehabt.
Sicherlich erinnern Sie sich alle noch an die Einsatzlage in Schwalmtal und an unsere schwierigen und langen Ermittlungen im Fall „Kassandra“ in Mettmann.
Dazu kamen spezielle, personalintensive Anforderungen als Reaktion auf die veränderte Situation in der Altstadt, bei Fußballeinsätzen und unsere intensiven Bemühungen in Angsträumen und an Brennpunkten präsent zu sein. All diese Einsätze fordern die Behörde als Ganzes, auch die Beamtinnen und Beamten der Kriminalpolizei. Trotzdem ist es uns im vergangenen Jahr einmal mehr gelungen, die Kriminalität in Düsseldorf wirkungsvoll zu bekämpfen.
In über 3000 Gesprächen und Veranstaltungen informierten beispielsweise die Beamten in der Kriminalpolizeilichen Beratungsstelle an der Luisenstraße die Bürger dieser Stadt, zu Möglichkeiten ihr Hab und Gut und nicht zuletzt ihre Gesundheit vor Übeltätern zu schützen. Niederschlag findet das auch in der hohen Anzahl von Einbrüchen, die im Versuch stecken geblieben sind, worauf ich später noch einmal zu sprechen komme.
Aber auch die operative und ermittlungstaktische Kriminalitätsbekämpfung hat speziell in Deliktbereichen von denen ein jeder betroffen sein kann und die somit unser Sicherheitsgefühl empfindlich stören, erfreuliche Erfolge erzielt:
Herausheben möchte ich die Bereiche der Straßenkriminalität, des Diebstahls aus Kfz und des Taschendiebstahls. Hier haben sich unsere Anstrengungen auch in der Statistik bereits positiv niedergeschlagen. Das zeigt, dass unsere Konzepte greifen und wir offensichtlich dann besonders erfolgreich sind, wenn Spezialisten, wie beispielsweise die Ermittler der „EK-Kfz“ intensiv gegen Verbrecher vorgehen, Haftsachen zentral bearbeiten und zusammen mit uniformierten Kräften gezielt an Brennpunkten offensive Aufklärungsarbeit betreiben.
Lassen Sie mich Ihnen einige herausragende Sachverhalte, die wir Ihnen in Pressekonferenzen vorgestellt haben, in Erinnerung rufen, bei denen wir auf diese Weise erfolgreich waren.
So haben wir im Februar 2009 eine siebenköpfige Bande junger Männer aus dem Düsseldorfer Süden dingfest gemacht, die überwiegend Taxifahrer in eine Einbruchsfalle lockten. So konnten wir insgesamt 13 Taten klären.
Im November 2009 konnte gegen einen 37-jährigen Polen ein Haftbefehl erwirkt werden, der sich auf den Diebstahl von Airbags spezialisiert hatte und bei einem Pkw-Händler in Heerdt 29 Fahrzeuge aufgebrochen hatte. Im Rahmen der ersten Ermittlungen wurde das Fahrzeug des Täters aufgefunden und mit insgesamt 58 Airbags im Kofferraum sichergestellt werden.
Die Fahnder der „EK-Kfz“ waren auch durch ihre Anschlussrecherchen im Bereich der gewerbsmäßigen Hehlerei erfolgreich. Bei einer 100-prozentigen Aufklärungsquote waren die Ermittler dafür verantwortlich, dass die Fallzahlen von 12 auf 56 Taten anstiegen. Der Erfolg im Bereich der Hehlerei dürfte auch dazu führen, dass Straftaten auf dem Sektor der Eigentumsdelikte zukünftig zurückgehen werden.
( Ohne Hehler – keine Stehler! )
Zufrieden bin ich auch mit unseren Maßnahmen im Bereich der Jugendsach-bearbeitung, die mir, wie Sie alle wissen, besonders am Herzen liegt. Das „gelbe-Karten-Verfahren“ trägt bereits Früchte. Seit dem Jahr 2006 wurden 316 Jugendliche in das Verfahren aufgenommen. Es handelt sich um straffällig gewordene Jugendliche, die mehr sind als bloße Episodentäter, die offensichtlich „einen Schuss vor den Bug“ brauchen, um ihr Fehlverhalten einzusehen und einen anderen Weg einzuschlagen. Nach unseren bisherigen Erfahrungen müssen wir davon ausgehen, dass ohne besondere Maßnahmen weit mehr als 50 % dieser jugendlichen Straftäter in dem darauf folgenden Jahr wieder eine oder mehrere Straftaten begehen.
Von den 316 Jugendlichen, die im „gelbe-Karten-Verfahren“ behandelt wurden, sind 224 strafrechtlich nicht wieder in Erscheinung getreten. Ich bewerte das als Erfolg und spreche mich dafür aus, dieses Verfahren auch weiterhin zu praktizieren.
Auch unsere Fallkonferenzen, die sich mit jugendlichen Intensivtätern befassen, waren erfolgreich. Im Jahr 2009 wurden insgesamt 34 Intensivtäter „behandelt“.
Davon sind 21 nicht wieder aufgefallen: 9 Täter haben die ihnen angebotenen Hilfestellungen ausgeschlagen und sind in Haft gegangen; von den übrigen sind 12 nicht mehr straffällig geworden.
Auch wenn die Fallkonferenzen sehr arbeitsaufwendig und zeitraubend sind:
Jeder jugendliche Intensivtäter, der nach Befassung durch die Fallkonferenz kriminalpolizeilich nicht mehr in Erscheinung tritt, ist den Aufwand wert.
Von daher werden wir auch hier „am Ball bleiben“.
Ich will aber nicht verhehlen, dass es auch negative Entwicklungen in 2009 zu verzeichnen gab. Wie sich beispielsweise der Anstieg der Gesamtkriminalität um 7 Prozent zusammensetzt, wird Ihnen gleich Herr Schneider erläutern.
Kurz eingehen möchte ich auf die Steigerung im Bereich des Wohnungseinbruchs um 304 Fälle. Ein Deliktsbereich der für die betroffenen Opfer oft besonders belastend ist, weil er einen Eingriff in ihre Privatsphäre, in einen persönlichen Rückzugsraum darstellt.
Bei aller Besorgnis, die diese Zahl auslösen mag, möchte ich dennoch auf folgendes aufmerksam machen:
Nachdem wir hier über mehrere Jahre konzeptioneller Kriminalitätsbekämpfung starke Rückgänge erzielen konnten und unter den großen Städten in Nordrhein-Westfalen einen Spitzenplatz im positiven Sinne erreicht hatten, bewegen wir uns nun wieder auf dem Niveau von 2004 und somit auf Augenhöhe mit vergleichbaren Städten des Landes.
Darüber hinaus ist der Wohnungseinbruch in diesem Jahr ein landesweites Problem (Steigerung um 8 %). Das soll nichts entschuldigen, sondern aufzeigen, dass wir mit unserem Trend nicht alleine sind im Land.
In der Gesamtzahl von 2.254 Fällen sind 900 Fälle (40 %) im Versuchsstadium stecken geblieben. Das ist eine wesentliche Feststellung,
- weil es in diesen Fällen tatsächlich nicht zu der ganz großen Belastung
für die betroffenen Opfer gekommen ist und
- weil offensichtliche Präventionsmaßnahmen im Einzelfall vor einer Vollendung des Deliktes geschützt haben.
Andererseits kann nicht ausgeschlossen werden, dass gerade eine verbesserte technische Prävention zu einer Erhöhung der Zahlen geführt hat: Der zu einem Einbruch entschlossene Täter geht möglicherweise zu einem weiteren Objekt über, wenn er am ersten scheitert.
Ungeachtet der steigenden Fallzahlen rate ich allen Wohnungseigentümern dazu, die eigenen Bemühungen zur Sicherung der Wohnung nicht außer Acht zu lassen. In jedem Fall werden wir dem Wohnungseinbruch auch weiterhin erste Priorität einräumen und durch weitere Maßnahmen – auch organisatorische – versuchen, die Zahlen im laufenden Jahr wieder zu senken. In diesem Zusammenhang, setzen wir auch in Zukunft auf die Hilfe und Unterstützung der Medien, die Bürger dieser Stadt über neue und alte Kriminalitätsphänomene zu informieren und so dazu beizutragen, im Bereich der Kriminalitätsvorbeugung noch besser zu werden.
Eine Zunahme der Delikte stellen wir schließlich im Bereich der Körperverletzungen, insbesondere der einfachen Körperverletzung fest (Steigerung um ca. 400 Taten).
Hier schlägt sich nieder, wovon die Polizisten auch und gerade in Düsseldorf schon lange berichten: Die Fähigkeit, Konflikte verbal und friedlich auszutragen, nimmt ab, es wird schneller und rücksichtsloser zugeschlagen.
Ich bin der festen Überzeugung, dass wir in unseren Bemühungen, Kriminalitätsbekämpfung ganzheitlich zu betrachten und zu praktizieren auf dem richtigen Weg sind. Nur durch intelligente Konzepte, das Zusammenwirken in Netzwerken und den Versuch, kriminelle Karrieren rechtzeitig zu erkennen und gemeinsam positiv auf Kinder, Jugendliche und Heranwachsende einzuwirken, wird es gelingen in Punkto Sicherheit Nachhaltigkeit zu erzielen.
Viele Dank!
Letzte Änderung: 04.03.2010


