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Vor Ort: Gelsenkirchen gegen Jugendkriminalität
Nordrhein-Westfalen orientiert sich am Konzept einer orts- und bürgerorientierten Polizei. Die Polizeibehörden tragen die Verantwortung für die Sicherheitslage in ihrem Bezirk. In ihrem Sicherheitsprogramm legen sie die Schwerpunkte ihrer Arbeit fest. Dieser Ansatz zeigt sich auch bei der Bekämpfung der Jugendkriminalität.
Jede Polizeibehörde hat ein Konzept entwickelt, mit dem sie jugendliche Intensivtäter ins Visier nimmt und das auf eine frühe und gezielte Abschreckung von Mehrfachtätern ausgerichtet ist. Dabei arbeiten Polizei, Justiz und Kommunen eng zusammen.
Die Kreispolizeibehörde Gelsenkirchen hat 2004 als eine der ersten Polizeibehörden des Landes auf das Problem jugendlicher Intensivtäter mit dem Projekt „Gefährderansprachen“ reagiert.
Sie setzt mit diesem Projekt und seiner Fortsetzung in der täglichen Arbeit der Polizisten vor Ort die Absicht der Landesregierung im Rahmen der präventiven und repressiven Bekämpfung von Intensivtätern um.
Grundlage sind dabei 3 Schwerpunkte, die sich an den polizeilichen Kernaufgaben orientieren:
- Gefährderansprachen von Ersttätern (U 18) durch fortgebildete Jugendsachbearbeiter bei Vernehmung bzw. Anhörung.
(Aufzeigen der für die weitere Zukunft negativen Folgen bei Straffälligkeit; Aufhellung der Ursache und des sozialen Umfeldes; Erziehungsberechtigten sollten möglichst dabei sein). - Gefährderansprachen an Treffpunkten von Jugendgruppen durch bestimmte speziell fortgebildete Kräfte der Bereitschaftspolizei - anlassbezogen wie auch anlassunabhängig.
( Herausfiltern von Treffpunkten in der Stadt; Erkennen von Jugendgruppen bzw. -banden; Aufsuchen dieser Orte und Kontaktaufnahme zu den Jugendlichen; je nach Situation und Verhalten der Jugendlichen eher repressiv durch namentliches Ansprechen erkannter Straftäter, Versuch erkannte „Peer-Leader (Negativ-Idole)“ zu isolieren - Gefährderansprachen von besonders auffälligen Jugendlichen (U 18) durch Kräfte des Kommissariates Vorbeugung bei Hausbesuchen und im Beisein der Eltern/Erziehungsberechtigten (3 Straftaten pro Jahr oder Prognose).
(Letztmaliger Appell; Aufhellen der sozialen Bedingungen vor Ort; Stärkung der Eltern-/Erzieherrolle; Bericht für Jugendsachbearbeiter, Kriminalakte und Jugendamt).
Hinzu kommt die Zusammenarbeit mit Ordnungspartnern in einer Fallkonferenz.
Das Projekt „Gefährderansprache“ wurde durch das Europäische Zentrum für Kriminalprävention e.V. wissenschaftlich begleitet. Das Ergebnis zeigt Erfolge der Polizei in Gelsenkirchen und ihrer Kooperationspartner auf:
- die Zahl der ermittelten jugendlichen Tatverdächtigen ist im Projektzeitraum um 11,3 % zurückgegangen, die Zahl der heranwachsenden Tatverdächtigen um 18,4 % und die Anzahl der ermittelten Kinder sogar um 20,4 %
- Die Anzahl der Tatverdächtige unter 21 Jahre, die fünf oder mehr Straftaten im Jahr begehen, ist gegenüber dem Jahr vor Projektbeginn (2003) um 22,3 % zurückgegangen
- Rund ein Drittel der zu Hause angesprochenen Kinder und Jugendlichen ist nicht mehr rückfällig geworden. Die Rückfallquote lag damit deutlich unter der von nicht angesprochenen Jugendlichen.
zusaetzliche Informationen
Internetseite Polizei Gelsenkirchen

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