Weniger Straftaten und Gewaltdelikte - Weniger junge Intensivtäter

Die Zahl der polizeilich erfassten Straftaten in Nordrhein-Westfalen ist 2008 um 2,8 % auf insgesamt 1.453.203 gesunken. Das sind 42.130 weniger als im Jahr 2007. Damit setzt sich die positive Entwicklung seit 2005 Sicherheitsprogramme, spezielle Konzepte gegen die Jugendkriminalität und die Qualitätsoffensive in der Kriminalitätsbekämpfung wirken, so die Bilanz für 2008

Kriminalstatistik 2008

Die Aufklärungsquote hielt sich auf dem guten Niveau der letzten vier Jahre und stieg um 0,1 Prozentpunkte auf 49,3 %. Die Polizei ermittelte so viele Tatverdächtige wie nie zuvor - insgesamt 496.172 oder 3,5 % (+17.000) mehr. Wolf wies auf die guten Erfolge der nordrhein-westfälischen Polizei bei Kriminalitätsvorbeugung und Ermittlungen hin: Erstmals seit 10 Jahren konnte die Zunahme der Gewalt gestoppt werden. Es gab 2 % weniger Gewalttaten. Die Straßenkriminalität ging deutlich um 6,7 % zurück.

Deutlich weniger Mehrfachtatverdächtige

Im vergangenen Jahr ging die Zahl der Mehrfachtatverdächtigen unter
21 Jahren - sie begehen fünf oder mehr Straftaten in einem Jahr - um 7,2 % (- 627) auf 8.089 zurück. Das ist der niedrigste Stand seit über 10 Jahren. Die Anzahl der Kinder (8 bis unter 14 Jahre) als Mehrfachtatverdächtige hat sich 2008 um 15,6 % (- 102) auf jetzt 550 verringert. Bei den Jugendlichen (bis unter 18 Jahre) sank die Zahl im Vergleich zum Vorjahr um 8,5 % (- 362) auf 3.883, bei den Heranwachsenden (bis unter 21 Jahre) um 4,3 % (- 163) auf 3.656.

Erfolgreich sind Projekte wie in Bonn-Tannenbusch oder Hagen, wo Jugendkontaktbeamte der Polizei, so genannte JuKoB, Jugendliche aus dem Dunstkreis von Intensiv- und Mehrfachtatverdächtigen herausholen. Das Ziel ist, Kinder und Jugendliche vor kriminellen Karrieren zu bewahren. Deshalb hat die Polizei Konzepte entwickelt, bei denen sie eng mit den Kommunen, der Justiz und den Schulen kooperiert. Sie hat feste Ansprechpartner in ihren Bezirken benannt, die sich regelmäßig treffen, Problemfälle ansprechen und gemeinsam lösen. Derzeit sind rund 800 Jugendliche und 500 Heranwachsende als so genannte Intensivtäter im Fokus der Polizei. Sie begehen eine hohe Zahl von Gewalttaten oder schweren Eigentumsdelikten.

Insgesamt ermittelte die Polizei 140.138 Tatverdächtige unter 21 Jahren. Dies bedeutet eine Steigerung von 2 %. Demnach sind 5,4 % der rund 2,6 Millionen jungen Menschen zwischen 8 und unter 21 Jahren, die in Nordrhein-Westfalen leben, bei Straftaten festgestellt worden. Gegen jeden Siebten von ihnen (22.552) wurde wegen einer Gewalttat wie Raub oder gefährlicher Körperverletzung ermittelt. Das entspricht einem Anteil von 0,9 % dieser Altersgruppe. Die große Mehrheit der Jugendlichen ist rechtstreu. Probleme bereitet eine kleine Gruppe von gewalttätigen Intensivtätern.

Straftaten in Schulen

Erstmals wurde im vergangenen Jahr erfasst, wie viele und welche Straftaten in Schulen begangen wurden. Von den rund 1,45 Millionen Straftaten in Nordrhein-Westfalen geschahen 1,7 % (25.000) in den 6.800 Schulen mit rund 2,8 Millionen Schülerinnen und Schülern. Mehr als die Hälfte, nämlich 14.149, waren Sachbeschädigungen und Diebstähle. 1.782 Fälle von Gewaltkriminalität, wie Raub, gefährliche und schwere Körperverletzung, wurden festgestellt.

Aktuelle Untersuchungen zeigen, dass es keine Hinweise auf eine zunehmende Gewalt an Schulen gibt. Die Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung stellte fest, dass "Raufunfälle" in Schulen oder auf dem Schulweg zwischen 1997 und 2007 um 31,3 % abgenommen haben. Der Anteil der "Raufunfälle" mit Knochenbrüchen nahm im gleichen Zeitraum um 44 % auf rund 7.000 Fälle ab. In keiner der untersuchten Schularten - Grund-, Sonder-, Haupt-, Realschulen und Gymnasien - war eine zunehmende Brutalisierung erkennbar.

Anstieg der Gewalttaten gestoppt

Die Zahl der Gewaltdelikte ging um 2 % (- 1.046) auf 52 374 zurück. Der Anteil der tatverdächtigen Männer betrug 85,6 % (43.147). Die Aufklärungsquote ist mit 72,6 % hoch. Bei Gewaltkriminalität reagiert die Polizei konsequent.

Mit 14.157 Fällen gab es 1,9 % (275 Fälle) weniger Raubdelikte als im Jahr 2007. Die Täter erbeuteten Bargeld und Wertsachen in Höhe von rund 14 Millionen Euro. Der Anteil der unter 21-jährigen Tatverdächtigen sank im Vergleich zu letztem Jahr auf 56,1 % (- 3,8 Prozentpunkte). Bei ihren Konzepten gegen Gewaltkriminalität geht die Polizei präventiv und repressiv vor. Sie ist an Kriminalitätsbrennpunkten sichtbar präsent. Sie arbeitet zudem in örtlichen Netzwerken mit Schulen, Kommunen und privaten Vereinen zusammen." 36,8 % der Raubopfer waren unter 21 Jahren.

Raub und Erpressung unter Jugendlichen bereiten trotz des Rückganges nach wie vor Sorgen. Die Täter erbeuten von Gleichaltrigen oder Jüngeren Handy, MP3-Player oder Bargeld. Den Minderjährigen muss klar gemacht werden, dass dieses so genannte Abziehen kein Bagatelldelikt, sondern eine schwere Straftat ist. Sie können sich dadurch ihr Leben ruinieren. Notwendig ist eine Kultur des Hinsehens. Gewalt muss geächtet werden. Das ist die gemeinsame Aufgabe von Eltern, Schule sowie staatlichen, kommunalen und privaten Einrichtungen und Initiativen.

Markanter Rückgang der Straßenkriminalität

Die Straßenkriminalität nahm im letzten Jahr um 6,7 % (- 30.146) auf 421.912 Taten ab. Das ist deutlich unter den Zahlen von 1996. 2008 gab es 7.093 Fälle von Raubdelikten im öffentlichen Raum. Das sind 11,7 % (- 941) weniger als 2007. Die Einsatzkonzepte der Polizei machen sich bezahlt. Zusätzlich zu den Einsätzen an Kriminalitätsbrennpunkten verstärkte die Polizei die Präsenz der Fuß- und Fahrradstreifen. Dies ist wichtig für das Sicherheitsempfinden der Menschen.

Erstmals seit 1995 weniger Körperverletzungen

Erstmals seit 1995 ist ein Rückgang um 2,1 % (- 785) bei schweren und gefährlichen Körperverletzungen zu verzeichnen. Sie haben mit 36.151 Taten den größten Anteil an der Gewaltkriminalität. Die Aufklärungsquote betrug 81,3 %. Jede zweite gefährliche oder schwere Körperverletzung begingen männliche Jugendliche. Diese jungen Männer neigen eher dazu, ihre Aggressionen auszuleben und Konflikte mit Gewalt auszutragen. Die Zahl der leichten Körperverletzungen hat im vergangenen Jahr ebenfalls abgenommen. Sie sank um 4,1 % (3.422) auf 80.047 Fälle.

Deutlich weniger Mord und Totschlag - 97 % aufgeklärt

2008 wurden 116 Menschen Opfer eines Mordes oder Totschlags. Das sind 20 % (29 Fälle) weniger als in 2007. In 265 Fällen wurde ein Tötungsdelikt versucht. Rund 97 % der Taten, auch der Versuche, klärten die Ermittler auf. Das Risiko, in Nordrhein-Westfalen Opfer eines vollendeten oder versuchten Tötungsdeliktes zu werden, ist heute wesentlich geringer als in der zweiten Hälfte des vorigen Jahrhunderts. (Zum Vergleich: 1970: 641 Fälle; 1980: 620 Fälle; 1990: 503 Fälle).

Stalking - hohe Aufklärungsquote

Seit April 2007 gibt es ein Gesetz gegen Stalking (Nachstellung). Diese Straftat wurde 2008 erstmals für das gesamte Jahr in der Kriminalstatistik erfasst. Von den 7.657 Fällen klärten die Ermittler 86,8 % auf. 81 % der Opfer waren Frauen. 2007 wurden in einem dreiviertel Jahr 4.429 Fälle registriert. Der Anstieg zeigt, dass sich immer mehr Opfer in ihrer Not an die Polizei wenden. Meist stammen die Täter aus dem sozialen Umfeld der Opfer. Stalker sind Kriminelle, die andere Menschen in unerträglicher Weise in ihrem Privatleben beeinträchtigen.

Die Polizei gehe konsequent gegen die Stalker vor. Den Opfern muss geholfen werden, wieder ein normales Leben zu führen. Die Polizei ist oft der erste Kontakt mit einer staatlichen Einrichtung, die Opfern hilft und eine akute Gefahrensituation unterbrechen kann. Jede Polizeibehörde verfügt über besonders geschulte Beamtinnen und Beamte für den Opferschutz, die Kontakte zu Hilfsorganisationen herstellen.

Sexualdelikte oft im sozialen Umfeld

Die Polizei registrierte im vergangenen Jahr 11.861 Straftaten gegen die sexuelle Selbstbestimmung, 6,1 % Fälle weniger als 2007 (- 773). Darunter waren 1.645 Taten von Vergewaltigungen und besonders schweren Fällen der sexuellen Nötigung. Die Zahl der Fälle von sexuellem Missbrauch von Kindern nahm erneut ab und liegt bei 2.746, das ist ein Minus von 1,7 % (47 Fälle). Dies ist die geringste Zahl von registrierten Missbrauchstaten seit über 20 Jahren.

Von den 1.605 Frauen und 72 Männern, die 2008 Opfer einer Vergewaltigung oder einer besonders schweren sexuellen Nötigung wurden, waren 42 % unter 21 Jahre alt. Die meisten Vergewaltigungen und sexuellen Nötigungen begehen Täter aus dem sozialen Umfeld der Opfer. In 72,8 % der Fälle hatten Opfer und Tatverdächtige zumindest eine flüchtige Vorbeziehung. In 58,5 % (981) Fällen bestand sogar eine enge Beziehung (z. B. Ehepartner, Ex-Ehepartner oder Lebensgefährte).

Diebstähle sind stark gesunken

Die Anzahl der Diebstähle hat um rund 5,5 % auf 661.982 abgenommen (- 38.500). Damit setzt sich der seit einigen Jahren anhaltende Trend auch 2008 weiter fort. Trotz der oft schwierigen Ermittlungen - die Täter hinterlassen selten Spuren - klärte die Polizei jeden vierten Diebstahl auf.

Wohnungseinbrüche weiterhin auf niedrigem Stand

Die Zahl der Wohnungseinbrüche bleibt weiter auf dem niedrigen Niveau von 2007, dem Jahr mit den wenigsten Wohnungseinbrüchen seit 1982. Insgesamt gab es 38.002 Taten. Das sind 1,6 % (+ 609) mehr. 1995, dem Jahr mit den meisten Einbrüchen, lag die Zahl um mehr als 20.000 höher. 39,1 % der Taten blieben im Versuch stecken (Vorjahr: 37,1 %). Einbrüche scheitern immer häufiger, weil die Menschen ihr Eigentum besser schützen. Dies ist auch ein Ergebnis der polizeilichen Vorbeugungsarbeit. Die Polizei berate auch in Zukunft alle Interessierten, wie sie ihre Häuser oder Wohnungen am besten schützen können.

Die wenigsten Autodiebstähle seit 1949 - Starker Rückgang der Autoaufbrüche 

2008 wurden erneut weniger Kraftfahrzeuge entwendet. Der erneute deutliche Rückgang um rund 5,2 % (- 449) im Vergleich zu 2007 markiert einen Tiefstand. 2008 wurden 8.180 Kraftfahrzeuge gestohlen. Bei den Autodiebstählen weist die Statistik den besten Wert seit 1949 auf. Hier greifen insbesondere die technischen Sicherungen der Fahrzeughersteller. Besonders erfreulich ist der Rückgang der Diebstähle aus Kraftfahrzeugen um 19,8 % (- 25.089) auf 101.664.

Erheblicher weniger Betrug mit gestohlenen Debitkarten

Durch die verbesserten Sicherheitsverfahren ist der Missbrauch von Debitkarten im Lastschriftverfahren weiter stark gesunken. Die Polizei registrierte 3.921 Fälle. Das sind im Vergleich 39 % (- 2492) weniger als im Vorjahr. Dies ist zum einen darauf zurückzuführen, dass immer mehr Geschäfte auf die Bezahlung mit PIN-Eingabe umstellten und auf das unsichere Lastschriftverfahren verzichten. Zum anderen trug KUNO zum Rückgang bei.

Mit diesem 2006 landesweit eingeführten Informationssystem (Kriminalitätsbekämpfung im unbaren Zahlungsverkehr unter Nutzung nichtpolizeilicher Organisationsstrukturen) wird der Einzelhandel direkt und mit einem Mausklick bei der Anzeigenaufnahme von der Polizei mit einer verschlüsselten E-Mail über den Diebstahl einer Debitkarte informiert. Legt ein Betrüger die gestohlene Karte in einem Geschäft vor, wird die Zahlung verweigert. Das Konzept KUNO bewährt sich weiterhin. Das schnelle Sperren verhindert damit Straftaten und nützt allen: den Kunden, dem Einzelhandel und der Polizei.


Suchen

Suchbegriff

Aktuelle Kriminalstatistik NRW 2008

Sie finden den kompletten Datenband zur Entwicklung der Kriminalität 2008 in Nordrhein-Westfalen auf den Internetseiten des Landeskriminalamtes.

 

Archiv Kriminalstatistik NRW

Auf den Internetseiten des Landeskriminalamtes finden Sie die Übersichten der vergangenen Jahre.